Andacht Februar 2022

Liebe Gemeinde!

Kaum ist Weihnachten und Neujahr vorbei, schon wartet man sehnsüchtig auf den Frühling. Jeder weitere angekündigte Wintertag vermiest einem da schon mal die Laune. Warum eigentlich? Warum nicht einfach mal an dem freuen, was wir sowieso nicht ändern können?

Feierabend! Endlich ist der lange Tag im Büro geschafft und ich steige ins Auto, um nach Hause zu fahren. Im Radio höre ich den Wetterbericht. Der Sprecher kündigt Schnee an bis in die tiefen Lagen, auch hier bei uns am Rande des Bergischen sollen die dicken weißen Flocken ab heute Nacht schon fallen – bis zu 15 Zentimeter! Juchuuu, das wird eine Freude! Seit Kindheitstagen liebe ich den Schnee, der die ganze Landschaft mit einer dicken weißen Schicht bedeckt, die Flocken, die wild durch die Luft wirbeln, zum Teil so dicht, dass man kaum die Hand vor den Augen sieht und die nach und nach lustige Hauben auf Äste, Büsche und Autodächer zaubern. Ja, auch auf die Autos… Kehrseite der Medaille ist natürlich das Chaos im Straßenverkehr, das die weiße Pracht wie jedes Mal anrichten wird. Fußgänger, die mit halbdurchnässten Schneestiefeln auf den noch nicht geräumten Gehwegen versuchen, sturzfrei vorwärtszukommen. Oder die dagegen anderorts bei allzu emsigen Anwohnern durch Split- und Salzberge stiefeln müssen. Autofahrer mit Sommerreifen, die sich ganz vorsichtig und nur im Schritttempo über die rutschigen Straßen bewegen und die an kleinen Steigungen meist stehenbleiben und einen Stau verursachen. Busse, die an Knotenpunkten querstehen. Auch auf den Autobahnen herrscht das absolute Chaos, Pendler kommen zu spät zur Arbeit, Schüler verpassen den Schulbeginn. Wenn richtig viel Schnee fällt, werden nach ein paar Tagen sogar die Parkplätze knapp, weil man mit dem Schneeräumen nicht mehr nachkommt und zum Teil gar nicht mehr weiß, wohin man die weißen Mengen überhaupt noch schieben soll.

Trotzdem, ich liebe den Schnee und sämtliche Aktivitäten, die damit verbunden sind. Schon als kleines Kind habe ich in Österreich in den Kitzbüheler Alpen das Skilaufen erlernt und es seitdem nahezu jedes Jahr mindestens eine Woche lang praktiziert. Nach jedem Skiurlaub fiebere ich schon der nächsten Wintersaison entgegen. Ich könnte eher auf einen Sommerurlaub verzichten als auf ein paar aktive Tage in den weiß verschneiten Bergen.

Früh morgens raus, dick eingepackt in warme Skikleidung, rein in die Skischuhe und rauf auf die Piste. Was kann es Schöneres geben als bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein im Skilift zu sitzen und die Schneekristalle wie tausende Diamanten funkeln zu sehen? Oben angekommen zieht mich die Skipiste wie magisch an. Und ein Einkehrschwung in einer Berghütte ist natürlich auch nicht zu verachten. Am Kaminofen trocknen die klammen Skihandschuhe und in die eingefrorenen Zehenspitzen in den festen Skischuhen kommt langsam wieder Leben. Mit geröteten Wangen sitzt man wohlig erschöpft in gemütlicher Runde an urigen Tischen und wartet auf Leckereien wie Kaiserschmarrn, Schweinsbraten mit Speckknödel oder eine ‚Gulaschsuppn’. Dazu gibt’s ein Radler, einen heißen Kaffee oder Jaga-Tee. Am Ende des Skitages freut man sich auf eine wärmende Dusche und ist spätestens nach dem Abendessen von der vielen Bewegung an der frischen Luft so erledigt, dass man nur noch in die Waagerechte möchte.

Auch auf das Rodeln auf dem Golfplatzgelände freue ich mich. Selbst unsere mittlerweile erwachsenen Kinder treffen sich dort mit ihren Freunden mit den unterschiedlichsten Geräten: Neben den klassischen Holzschlitten gibt es Kunststoff-Bobs, aufgepustete Rodel-Reifen, längliche Hartplastikboards, die „Duckducks“, zum Draufliegen oder Popo-Flitzer, für die man eine ausgeprägte Bauchmuskulatur benötigt, weil man die Beine so lange in der Luft halten muss. In schneereichen Wintern wurde von Anwohnern an der Rodelstrecke sogar eine kleine Bar aufgebaut und Heißgetränke wie Tee, Glühwein, Kinderpunsch und Kakao angeboten. Ja, dort haben wir schon viele lustige Stunden verbracht…

Ich liebe den Schnee und ich freue mich riesig darauf. Hoffentlich schneit es die ganze Nacht durch!

Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. (Psalm 118,24)

 

Alexandra Wenzler